
Warum solche Situationen häufiger vorkommen, als man denkt

Written by Eric P.
Einleitung
Manchmal vergessen wir: Kunden sind Menschen.
Und Menschen sind am Set emotionaler, als man in Briefings vermuten würde.
Gründe für spontane Änderungswünsche:
- Druck von oben: Ein Vorstand soll beeindruckt werden.
- Medienpräsenz: Plötzlich tauchen Kamerateams auf, alles soll cooler wirken.
- Selbstdarstellung: Der Chef will intern glänzen: "Schaut, wie flexibel wir sind!"
- Echtes Bauchgefühl: Manchmal ist ein spontaner Geistesblitz wirklich besser.
Als Fotograf:in musst du die Klaviatur dieser Motivationen erkennen können.
Nicht jede Kursänderung ist ein Angriff.
Viele sind Unsicherheit in schöner Verpackung.
Deine Aufgabe:
Ruhe bewahren. Struktur anbieten. Führung übernehmen.
Konkrete Schritte für solche Momente
- Erst zuhören.
Lass den Entscheider seine Gedanken aussprechen. Unterbreche nicht. - Verständnis zeigen.
Sag Sätze wie:
- "Ich verstehe Ihre Idee."
- "Klingt spannend, lassen Sie uns das durchdenken."
- Optionen aufzeigen.
Biete konkrete Varianten an, inklusive Vor- und Nachteilen. - Zeit und Ressourcen klar benennen.
„Draußen umzubauen dauert 30 Minuten und bedeutet weniger Zeit für Look 4 und 5.“ - Immer eine elegante Exit-Strategie offenhalten.
Falls der neue Plan sich als schlecht herausstellt, kannst du sanft zurückrudern, ohne Gesichtsverlust.
Story aus der Praxis:
Wie ich einmal (fast) ein Shooting verloren hätte
Einmal bei einem großen Kampagnen-Shooting platzte der neue Marketingchef eine Stunde nach Start ins Set.
Er mochte das Licht nicht.
Er fand die Stylingwahl zu "brav".
Er wollte "mehr Energie, mehr Straße".
Kurzzeitig stand das ganze Projekt auf der Kippe.
Alles, was wir vorbereitet hatten, sollte auf einmal weggeworfen werden.
Was habe ich gemacht?
Ich habe ihn kurz zur Seite genommen.
Gesagt:
„Ich verstehe total, was Sie suchen. Lassen Sie uns zusätzlich eine Streetstyle-Variante shooten. Ich brauche 25 Minuten Umbauzeit. Dann haben Sie beide Looks zur Auswahl – und wir können später entscheiden, was am besten funktioniert.“
Er war begeistert.
Wir haben seinen Look geschossen – aber auch den ursprünglichen.
Am Ende?
Das ursprüngliche Konzept wurde genutzt.
Warum?
Weil es stimmiger war.
Aber weil er das Gefühl hatte, beteiligt gewesen zu sein, war er 100 % zufrieden.
Was du daraus machst
Hier entscheidet sich, ob du "nur" fotografierst – oder ob du als kreativer Partner wahrgenommen wirst.
Wer in hektischen Momenten ruhig bleibt, wer Raum gibt, aber Kurs hält, der gewinnt nicht nur Aufträge.
Er gewinnt Respekt.
Und Respekt ist die Währung, die dir langfristig Karrierewege öffnet.
Dein Kompass als Profi
Höre zu, aber führe zurück zum Ziel.
Sei nicht stur – aber verliere auch nicht die Vision.
Sei offen, aber verliere nicht den Fokus.
Flexibilität bedeutet nicht Beliebigkeit.
Handle flexibel, aber strukturiert.
Spontaneität braucht Rahmenbedingungen.
Sprich in Optionen, nicht in Blockaden.
"Ja, und…" statt "Nein, aber…"

